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Waldow Kreis Rumelsburg Pommern

 

WALDOW KREIS RUMMELSBURG DER SEE KIRCHE

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GUDRUN FREISE

Unsere Dorfkirche in Bernsee
Augenzeugen haben berichtet, dass unsere kleine schlichte Dorfkirche in Bernsee, Kreis Arnswalde, erhalten geblieben und noch wie ehedem der Blickfang für die ganze, weitere Umgebung sei. Sie steht nämlich auf einem Hügel, und ihr schlanker Turm grüßt den Wanderer schon von weitem. Kam man von der 10 km entfernten Bahnstation Marienwalde oder auch von Woldenberg, so war die Kirche das erste, was man von Bernsee erblickte, und unwillkürlich schritt man rüstiger aus oder trat auch fester in die Pedale, wenn man auch noch kilometerweit entfernt war. Ich muss es einmal aussprechen, was diese kleine Dorfkirche für uns bedeutet hat: hier leuchtete uns eine Ahnung auf über Wechsel und Sinn von Zeit und Ewigkeit. Wenn am Sonnabend der Feierabend eingeläutet wurde und wir eben  vom ersten Frühjahr an bis zum späten Herbst  die schönsten Blüten aus dem Garten, oder, von Wiese und Feld auf den Altar gestellt hatten, dann, ja dann war Sonntag und zwar nicht irgendeiner, sondern eben gerade dieser, und die verschiedenfarbigen Altar- und Kanzelbehänge, die die Eltern im Laufe der Zeit angeschafft und an denen die Frauenhilfe fleißig genäht hatte, bestätigten uns das.
Unsere Kirche hatte weder elektrisches Licht noch Heizung. Und mag beides noch so schön und praktisch sein, das Fehlen hat auch seinen Wert. In einer winterdämmrigen Kirche mit kalten Füßen einer Predigt aufmerksam folgen, das war wirklich etwas. Und nach Passionsandachten in einer dunklen Kirche, in der nur hier und da ein Besucher ein Lichtstümpfchen vor sich auf das Pult gestellt hatte,  ja danach kann man einfach nur Heimweh haben!

Bernsee Kirche
Gewiss, es war eine Gemeinde da und doch war jeder für sich allein; die Dunkelheit schützte dich sie ließ den andern nur im Umriss erkennen. Kein Gedanke etwa an den neuen Wintermantel, die neuartige Frisur oder etwas dergleichen an dir selbst oder an deinem Nachbarn konnte dich ablenken. Du hörtest wirklich nur die Orgel, die Stimme da vorn und sahst das hohe Holzkreuz, von zwei Kerzen angestrahlt.
Es kamen meist nicht allzu viel Getreue zu diesen Abendgottesdiensten, aber am Karfreitag, da war die Kirche besetzt bis zum letzten Platz, und die Männer, die alle im schwarzen Anzug und im Zylinder gekommen waren, traten Reihe um Reihe dichtgedrängt an den Altar, um das heilige Abendmahl zu empfangen. Stundenlang dauerte solche Feier, und wie manches Mal stand ich dann in der Sakristei und reichte durch die halb- geöffnete Tür dem Vater ‘den immer neu gefüllten Kelch und die gefüllte Brotschale. Da merkte man kaum, dass es noch empfindlich kalt war, man empfand es erst zu Hause an der wohltuenden Wärme. Wie anders war es dann zu Ostern in der Kirche und in den 40 Tagen der Freude, wenn uns die freuderoten Behänge von Altar, Kanzel und Taufstein grüßten, und angefangen von den ersten spärlichen Osterglocken immer schönere und prächtigere Blüten neben dem Kreuz standen und die Sonnenstrahlen immer heller und wärmer durch die bunten Fenster leuchteten! Dann ging das Jahr seiner hohen Zeit entgegen. Zu Weihnachten stand links neben dem Altarraum, so, dass sie die Ehrentafel ein der Gefallenen, ich möchte sagen: liebevoll, verdeckte, die hohe Tanne mit ihren vielen, vielen lebendigen Flammen. Am Tag vor Heiligabend hatte Glöckner Böhm den Baum aufgestellt, die etwas knarrende Schranktür in der Sakristei war aufgesperrt worden, und heraus kam dieWeihnachtskiste mit Schmuck und Lichthaltern. Die Konfirmanden waren alle erschienen, und nun durften wir schmücken. Sonst waren wir gewöhnt, in der Kirche, wenn überhaupt, dann nur im Flüsterton zusprechen; am 23. Dezember war es einmal anders.

Bernsee Kirche

Die vielen Plappermäulchen konnten nicht still sein, Musterkinder gab es bei uns sowieso nicht, und den genagelten, derben Winterstiefeln oder gar Holzpantoffeln konnte man auch kein Pianissimo beibringen. Am Heiligabend aber standen die Mädchen in weißen Gewändern und mit brennenden Kerzen still im Altarraum, und es war wie ein Meer von Licht, das einem entgegenflutete, wenn man aus der Winterdunkelheit durch die Kirchtüre trat. Da gab es nirgends einen leeren Platz mehr. Dicht gedrängt lauschten wir den alten Weissagungen und den Worten der Erfüllung aus dem neuen Testament, von den Kindern und dem Prediger im Wechsel vorgetragen, und Orgel und Kirchenchor antworteten von der Empore in jubelnder Weihnachtsfreude.
Ebenso ein Meer von Licht  nun aber Sonnenlicht  strahlt Pfingsten aus der Erinnerung herüber. Einen ganzen, großen Wagen, mit zwei Pferden bespannt, beladen mit Maiengrün schickte uns der Förster am Pfingstsonnabend. Zwei Bäume kamen vor das Kirchportal, zwei in den Altarraum, zwei links und rechts .neben die Ehrentafeln, Zweige schmückten die Leuchter an den Wänden und die Pfosten der Bänke, Zweige hingen von den Kronleuchtern herab, Blumen und Kalmus auf Altar und Taufstein, ein Duft von Grün und Kerzen: die Natur war in die Kirche gekommen, Vielleicht fragst du mich, lieber Leser, was das mit dem Heiligen Geist zu tun hat, mit Pfingsten, dem Fest des Geistes. So genau kann ich dir das nicht erklären; eines aber weiß ich. Der Geist ist es, der auch für uns armselige Erdenmenschen die Ewigkeit erwirkt, und ein Duft, ein Hoffnungshauch von der Schönheit dieser Ewigkeit, das war eben dieses unser Pfingsten. Und „Schmückt das Fest mit Malen“ sangen wir neben der Orgel im Chor. Manchmal schließt man heute heimlich die Augen in unseren wari4 geheizten, elektrisch erleuchteten Kirchen, und dann ist die kleine Dorfkirche wieder da. Das hohe Holzkreuz mit dem für uns Leidenden, die Dornenkrone auf dem Haupt, die Tür zur Sakristei öffnet sich eben, ein Lichtstrahl fällt herein und durch die Stille hören wir, wie der Wind draußen in den Wipfeln der hohen Birken rauscht, und man ist glücklich, wenn nur eine Ahnung von dem das Herz trifft, was man früher erlebte.

Bernsee Kirche

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